Barrick-Gold-Chef Aaron Regent: «Eine Minengesellschaft frisst sich täglich selbst.»
30.03.2009,
Neue Zürcher Zeitung
«Unsere Strategie wird nicht verstanden»
Aaron Regent – der neue CEO des Gold-Förderers Barrick Gold
gvm. Vor mehr als 25 Jahren hat der aus Ungarn stammende Peter Munk Barrick Gold gegründet. Heute ist das kanadische Unternehmen der grösste Förderer von Gold. Fast jedes zehnte Staubkorn des seit der Wirtschaftskrise wieder beliebteren Edelmetalls, das geschürft wird, stammt aus einer der 27 Minen von Barrick Gold. Im vergangenen Jahr betrug die Ausbeute 7,66 Mio. Unzen (gut 217 Tonnen). Der mittlerweile 81 Lenze zählende Verwaltungsratspräsident Munk war bis vor wenigen Wochen auch wieder für die operative Geschäftsführung verantwortlich, denn der von ihm während Jahren zum Konzernchef aufgebaute Greg Wilkins musste sein 2003 angetretenes Amt im vergangenen Frühling aus gesundheitlichen Gründen wieder abgeben.
Mitte Januar konnte «Mr. Goldfinger» den CEO-Posten dem 43-jährigen Aaron Regent übertragen. Dem gebürtigen Iren ist es offenbar wohl in seiner neuen Rolle, obwohl die Schuhe, die er anziehen muss, beträchtlich gross sind. Erschwerend kommt hinzu, dass der bisherige Träger als aktiver Verwaltungsratspräsident ein wachsames Auge auf den von ausserhalb des Unternehmens Zugestossenen hält. Dass der Neue keine radikalen Änderungen an der Strategie des Unternehmens beabsichtigt, wie er im Gespräch anlässlich seines ersten Besuchs in Zürich als Barrick-CEO erklärt, macht die Sache sicher einfacher. In seiner noch jungen, aber beachtlichen Karriere habe er das Glück gehabt, stets auf gute Mentoren zu treffen. Seine Aufgabe sieht er darin, «so viel Geld wie möglich für unsere Aktionäre zu machen», eine Bemerkung, die man seit Jahren auch von Munk immer wieder hört.
In Kanada wird der neue Chef von Barrick Gold als «Buchhalter mit dem Herzen eines Kumpels» charakterisiert. Als Erbsenzähler ist Regent tatsächlich nicht bekannt, sondern als gewiefter Taktiker bei der Konsolidierung der Bergbaubranche. Nachdem er einige Jahr als Finanzexperte für den Vermögensverwalter Brascan (heute Brookfield Asset Management) gearbeitet hatte, wurde er im Jahr 2000 Finanzchef der kanadischen Minengesellschaft Noranda. Zwei Jahre später wechselte er zu Falconbridge und wurde dort CEO. 2005 kam es zur Fusion von Falconbridge und Noranda. Nur ein Jahr darauf wurden diese beiden vom schweizerisch-britischen Bergbaukonzern Xstrata für 18 Mrd. $ übernommen. Obwohl ihm offenbar die Leitung von Xstratas Nickel-Sparte angeboten wurde, ging Regent zu Brookfield zurück, wo er zuletzt als Co-CEO die Infrastruktur-Sparte leitete.
Für den neuen Arbeitgeber wird Regent sein Verhandlungsgeschick noch einige Male gebrauchen können, denn an der akquisitionsfreundlichen Strategie von Barrick Gold soll festgehalten werden. Mit rund 3 Mrd. $ liquiden Mitteln, einem jährlichen Cashflow von über 2 Mrd. $ und einer soliden Bilanz sei ausreichend Geld vorhanden, um die laufenden Projekte und allfällige Übernahmen ohne Kapitalerhöhung zu finanzieren. Nur im Falle einer Grossakquisition sei die Kapitalisierung «zu überdenken», sagt Regent. Tatsache sei nämlich, dass sich eine Minengesellschaft «täglich selbst ausfrisst», weshalb die Erschliessung neuer Minen unerlässlich sei. Während die weltweite Goldproduktion tendenziell sinke, könne Barrick Gold in den nächsten Jahren zusätzliche 2 Mio. Unzen fördern, und das zu günstigeren Konditionen. In diesen Zahlen nicht berücksichtigt ist das an der Grenze von Chile und Argentinien liegende Gebiet Pascua-Lama, wo laut Regent die wertvollsten, noch nicht erschlossenen Goldreserven der Welt schlummern.
Mit Blick auf die hohen Notierungen des Edelmetalls frustriert die derzeitige Börsenbewertung von Barrick Gold den neuen Konzernchef offensichtlich sehr. Gemessen am Cashflow, am Gewinn und an den Reserven werden die Aktien von Barrick Gold tiefer eingestuft als die der Konkurrenz (Goldcorp, Kinross, Newmont). «Unsere Strategie wird nicht verstanden», begründet Regent diesen Umstand. Es sei seine Aufgabe, dies zu ändern. Die Roadshow in Europa ist der erste Schritt dazu. Viel Zeit neben seiner neuen beruflichen Aufgabe wird der Vater von drei jungen Mädchen nicht haben. In der Freizeit mache er, was seine Töchter wollten, erklärt er. Vielleicht schafft er es trotzdem, nicht nur für Übernahmeverhandlungen mit Xstrata, sondern auch zum Skifahren in die Schweiz zu reisen.
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