Norbert Reithofer plant trotz der gegenwärtigen Autokrise keine weiteren ausserordentlichen Stellenstreichungen.
09.03.2009,
Neue Zürcher Zeitung
Keine Fusion von BMW und Daimler
Für BMW-Chef Reithofer geht Liquidität derzeit vor Profitabilität
ra. Eine etwaige Pleite von Opel sei für BMW nüchtern betrachtet neutral, sagt Norbert Reithofer, zumal der Massenhersteller aus Rüsselsheim und der Premium-Produzent aus München ja keine direkten Konkurrenten seien. Dennoch sind die gegenwärtigen Geschehnisse um die europäische Tochter von General Motors (GM) für BMW-Chef Reithofer nicht irrelevant, wie er während eines Gesprächs im Rahmen des Genfer Automobilsalons erklärt. Teilweise greifen die beiden Konzerne auf die gleichen Zulieferer zurück. Der Konkurs von Opel könnte daher in den folgenden 12 bis 18 Monaten auch andere Hersteller tangieren. Doch danach würde ein mögliches Vakuum wieder geschlossen. An Werken von Opel, etwa jenem in Eisenach, habe BMW jedenfalls kein Interesse, sagt der Oberbayer Reithofer, der inzwischen wieder in seinem Geburtsort Penzberg lebt, klipp und klar. Erweiterungen stünden derzeit nur in den USA und in China an. Auch Daimler soll im Hinblick auf den Kauf einer Fabrik von Opel abgewinkt haben, wie in Genf zu hören war, wenngleich aus Höflichkeit ein paar Ingenieure zur Inspektion des Werks gen Eisenach geschickt worden seien.
Reithofer, der seit 1991 für BMW tätig ist und von 2000 bis 2006 Vorstand für Produktion war, rechnet erst für 2010 mit einem leichten Aufschwung in der Autobranche. Allerdings gelte es bereits jetzt, die entscheidenden Grundsteine für die Erholung zu legen. Infolge der Finanzkrise sei die Automobilindustrie von einem Tsunami getroffen worden. Wenn sich dieser beruhigt habe, folge jedoch eine Periode des Innovationswettlaufs. Dann werde sich zeigen, wer gut durch die Krise gekommen sei und die besten Produkte habe. Auch die von der EU auf das Jahr 2012 verabschiedeten Richtwerte für Kohlendioxid dürften nicht vergessen werden. Daher werde BMW nicht gross bei Forschung und Entwicklung sparen, sondern weiter investieren.
Dennoch kommt der 52-jährige Reithofer nicht umhin, BMW so zu trimmen, dass der Konzern sicher durch die Krise kommt. Die wichtigste Optimierungsgrösse sei die Liquidität. Derzeit gehe Liquidität eindeutig vor Profitabilität. Es müssten genügend flüssige Mittel und ein ordentliches Nettofinanzvermögen der Autosparte vorhanden sein. Gegenwärtig darf Reithofer dazu nichts sagen, da er sich in der «stillen Phase» vor der am 18. März stattfindenden Bilanzpressekonferenz befindet. Experten gehen jedoch davon aus, dass BMW beide Werte im Vergleich mit dem Vorjahr mindestens wieder erreichen, eher sogar übertreffen wird. Ferner achtet Reithofer, der verheiratet ist und eine schulpflichtige Tochter hat, sehr auf den freien Cashflow. Diese Kennzahl zeige, ob eine Firma sich finanziell verbessere oder Geld verbrenne. Auch das Working Capital – also das nicht zur Deckung der kurzfristigen Verbindlichkeiten gebundene Kapital, das daher im Beschaffungs-, Produktions- und Absatzprozess arbeiten kann – ist ihm wichtig, weil sich dort die Qualität des Vorratsmanagements und die Produktionsflexibilität zeigten.
Natürlich müsse er sich auch um die Kostenseite kümmern, sagt Reithofer, der intern als schneller Entscheider und nicht etwa als Zauderer gilt. Durch den Personalabbau im Jahr 2008 spare man heuer rund 500 Mio. €.Weitere ausserordentliche Stellenstreichungen seien nicht geplant, aber Garantien gebe es in diesen Zeiten keine. Betriebsbedingte Kündigungen sind in den Vereinbarungen mit der Gewerkschaft ohnehin bis 2014 ausgeschlossen, es sei denn, der Konzern schreibt Verluste. Ein effizienter Weg zur Reduktion der Kosten ist auch für Premium-Hersteller – die ja in der Regel deutlich kleinere Stückzahlen als Massenhersteller produzieren – die Kooperation. Immer wieder fällt dabei in der Presse der Name Daimler. Fusionsgerüchten erteilt der Hobby-Skifahrer Reithofer aber eine klare Absage. Daimler und BMW würden eigenständige Konzerne bleiben. Beide seien stark genug, um durch die Krise zu kommen. Allerdings gebe es Überschneidungen, die man nutzen könne, etwa beim Einkauf. Die dort bestehende Kooperation habe bereits eine gewisse Grössenordnung erreicht – und sei noch ausbaufähig. Mit der französischen PSA Peugeot Citroën bauen die Bayern zudem einen von BMW konzipierten und zusätzlich noch verfeinerten Vier-Zylinder-Benzinmotor, der im Mini verwendet wird. Dieser Motor soll sogar in der nächsten Generation des 1er-BMW verwendet werden.
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