Wirtschaft im Gespräch

Samuel Amehou hat es verstanden, sich auf dem Parkett der internationalen Handelsdiplomatie Respekt zu verschaffen.

Samuel Amehou hat es verstanden, sich auf dem Parkett der internationalen Handelsdiplomatie Respekt zu verschaffen.

23.02.2009,

Neue Zürcher Zeitung

Den Handelsinteressen des Südens verpflichtet

Samuel Amehou – die Stimme der Baumwollproduzenten Afrikas

bau.  Ob am Sitz der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf oder auf dem Parkett internationaler Konferenzen, die schlanke Gestalt von Samuel Amehou ist nicht zu übersehen. Weiss oder buntfarbig, bedruckt oder uni, die heimische Tracht aus Baumwolltuch, die der Botschafter aus dem west-afrikanischen Benin trägt, sticht aus dem tristen Meer der grau-schwarzen Anzüge heraus. Politiker, Diplomaten und Journalisten nennen ihn respektvoll «Mr. Cotton».

Der Kampf für eine gerechte Welthandelsordnung ist auch der persönliche Kampf Amehous. Ähnlich dem römischen Senator Cato, der unermüdlich zur Zerstörung Karthagos aufrief, fordert der Diplomat aus Benin hartnäckig die Beseitigung der Baumwollsubventionen in den Industriestaaten. «Würde unsere Baumwolle zu guten Preisen gekauft, dann könnten wir praktisch ohne Entwicklungshilfe leben», sagt Amehou in Bezug auf sein Heimatland Benin.

Er gehörte seinerzeit zum kleinen Trupp afrikanischer Handelsdiplomaten, die mit einer gemeinsamen Eingabe bei der WTO ein Fanal setzten. Vier westafrikanische Baumwoll- produzenten – Benin, Burkina Faso, Mali und Tschad – wagten es, an der WTO-Konferenz von Cancún im Jahr 2003 die verheerenden Auswirkungen der Agrarsubventionen auf die Wirtschaft armer Entwicklungsländer anzuprangern. «Vor Cancún umgingen die USA das Thema Baumwolle. Erst als ich in meiner Rede von den dramatischen sozialen Auswirkungen auf unsere Völker sprach, befand die amerikanische Vertreterin, das Thema sei bedenkenswert», erzählt Amehou. Schritt für Schritt habe man kämpfen müssen, um die Frage der Baumwollsubventionen in die Dauha-Agenda aufzunehmen. Bis heute harzt es in der Welthandelsrunde – nicht zuletzt wegen der nach wie vor sturen Haltung hauptsächlich der USA und, in vermindertem Mass, der EU.

Der Vorstoss der Staatengruppe der «Cotton Four» (C-4), der übrigens auf eine Initiative von Handelsdiplomaten des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft zurückgeht, stiess weltweit auf viel Sympathie. Baumwolle gilt seither als Lackmustest dafür, ob der reiche Norden bereit ist, in Handelsfragen Gemeinnutz vor Eigennutz zu stellen. Für Amehou ist Baumwolle zum Schulbeispiel für den Agrarhandel im Rahmen der Dauha-Runde geworden, die nicht vergeblich als Entwicklungsrunde bezeichnet werde. Man könne nicht auf der einen Seite den Freihandel predigen, ihn auf der anderen Seite aber mit Subventionen sabotieren. Das sei mangelnde Kohärenz, sagt Amehou sanft, aber bestimmt. «Not aid but trade», Handel statt Hilfe, das sei der richtige Weg, um die armen Länder des Südens wirklich voranzubringen. Der C-4 sei es gelungen, diesen Gedanken zu verbreiten.

Dank der gemeinsamen Position in der Baumwolldiskussion seien sich nicht nur die Produzentenländer in Afrika nähergekommen. Darüber hinaus habe man enge Kontakte mit Brasilien, Indien und China geknüpft, den Wortführern des Südens in Handelsfragen, betont Amehou. Unter Experten in Genf ist unbestritten, dass die Baumwollinitiative und das couragierte Auftreten Amehous wesentlich zur Emanzipation der Dritten Welt auf dem Parkett der internationalen Handelsdiplomatie beigetragen haben.

Baumwolle kennt der 55-jährige Diplomat von Kindesbeinen an. 200 Kilometer von der Hauptstadt Cotonou entfernt, im Dorf Magoumi, ist er selber als Sohn eines Bauern und Baumwollproduzenten und einer Händlerin aufgewachsen. Dass ihn Baumwolle eines Tages dermassen beschäftigen würde, habe er sich nicht träumen lassen, als er sich dafür entschied, in Abidjan Germanistik zu studieren, sagt Amehou. Nach einem Master-Studium an der Universität Saarbrücken trat er mit 27 Jahren dem diplomatischen Dienst seines Landes bei. Nicht zuletzt seiner Sprachkenntnisse wegen schickte man ihn auf seinen ersten Auslandposten nach Bonn, wo er sieben Jahre lang blieb. Über die Vertretung Benins bei der Uno in New York kam Amehou 2000 zur WTO nach Genf, wo er mit einem Koffer in der Hand mutterseelenallein die erste Botschaft seines Landes eröffnete. Inzwischen ist seine Zeit in der Schweiz abgelaufen. Zurück in Cotonou, arbeitet er weiterhin im Aussenministerium – immer wieder für den Abbau der Baumwollsubventionen. «Vergessen Sie nicht, ohne Einigung über die Baumwolle wird der Süden niemals dem Abschluss der Dauha-Runde zustimmen», sagt Amehou zum Abschied.

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