Der bescheidene Multimilliardär Jim Goodnight engagiert sich auch für eine Verbesserung der Schulbildung in den USA.
16.02.2009,
Neue Zürcher Zeitung
«Nicht kotiert zu sein, ist wunderbar»
Jim Goodnight – Chef des US-Software-Unternehmens SAS Institute
gvm. Der mit einem geschätzten Vermögen von 8,7 Mrd. $ auf dem 33. Platz der «Forbes»-Liste rangierende Konzernchef der grössten privaten Software-Gesellschaft der Welt widerlegt viele Stereotype der nach Aufmerksamkeit lechzenden Technologie-Branche. So ist Jim Goodnight kein guter Verkäufer in eigener Sache. Der Doktor der Statistik von hünenhafter Statur, der im Gespräch oft nuschelt und für sein bescheidenes und kompetentes Auftreten bekannt ist, lässt lieber Taten sprechen. Vor über 30 Jahren hat er zusammen mit Kollegen der North Carolina State University Programme zur Analyse von landwirtschaftlichen Daten entwickelt. Daraus ist das SAS Institute (Statistical Analysis Software) entstanden, ein Privatunternehmen, das Goodnight zu 70% gehört und mit über 11 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,15 Mrd. $ (2007) weltweit das Geschäft der sogenannten Business-Intelligence (BI) dominiert. Darunter versteht man die Fähigkeit, mit analytischen Mitteln aus der ständig wachsenden Menge an Geschäftsdaten Informationen zu generieren, die Unternehmen bei Entscheidungen sowohl auf strategischer als auch auf operativer Ebene helfen.
Es gibt deshalb kaum ein Grossunternehmen, das nicht irgendwo Analyse-Software von SAS einsetzt. Trotzdem hat der Wirtschaftsabschwung auch die im Herzen des sogenannten Research Triangle Park um Raleigh/Durham im Gliedstaat North Carolina ansässige Gesellschaft erfasst. Bis im Spätherbst habe sich das Wachstum noch knapp im zweistelligen Prozentbereich befunden, erklärt Goodnight, der auf dem Weg zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos für das IT Executive Forum in Zürich haltmachte. Im November und Dezember, wenn das Unternehmen in der Regel doppelt so viele Einnahmen wie üblich erwirtschaftet, sei es zu einem plötzlichen und deutlichen Einbruch gekommen. Doch im Gegensatz zur Konkurrenz, die mit Entlassungen reagiert, müssen sich die SAS-Angestellten um ihren Arbeitsplatz kaum sorgen. Das sei eben der Vorteil eines privaten Unternehmens, das keine Schulden, aber viel Liquidität habe. Nicht an einer Börse kotiert zu sein, sei wunderbar, erklärt Goodnight. Das fänden laut jüngster Umfrage auch 85% seiner Mitarbeiter. Während der Dotcom- Euphorie, als einige Leute mit Mitarbeiteroptionen reich wurden, sei zwar auch SAS nahe an einer Publikumsöffnung gestanden. Doch lediglich sechs oder sieben Mitarbeiter habe er in dieser Phase an die Konkurrenz verloren. Bis auf einen seien aber alle wieder zu SAS zurückgekehrt, als den Wagniskapitalgebern das Geld ausgegangen sei, erzählt Goodnight.
Warum wird SAS Jahr für Jahr zu einem der beliebtesten amerikanischen Arbeitgeber gewählt? Gute Entlöhnung, 35-Stunden-Wochen, Gratismassagen und eigene Kindertagesstätten sind nur das eine. Respekt für die Mitarbeiter sei das andere, sagt Goodnight. Diese revanchierten sich mit einer extrem tiefen Fluktuationsrate von 4% – dies notabene in einer Branche, in der jährlich fast jeder Vierte den Arbeitgeber wechselt. Sicher spielt auch die Konsolidierung eine Rolle, bei der mit Business Objects (von SAP gekauft), Hyperion (Oracle) und Cognos (IBM) im Jahr 2007 in kurzer Zeit die Nummern zwei bis vier von den ganz Grossen der Software-Branche übernommen wurden.
Ans Aufhören denkt der 66-jährige Goodnight nicht. Gerne würde er noch weitere 30 Jahre anhängen, scherzt er. Zudem sei es äusserst schwierig, eine Nachfolgelösung zu finden, die keine hohen Steuerzahlungen nach sich ziehe. Im Gegensatz zu den Europäern gebe er dem Staat nicht gerne Geld. So wird sich der dreifache Familienvater wohl noch einige Jahre voll auf SAS konzentrieren und weiterhin selbst Hand anlegen.
Seine zweite Begeisterung gilt der Bildung, die in den USA vor allem auf Highschool-Niveau grosse Mängel aufweise. Amerikanische Schüler langweilten sich zu Tode, weshalb nur 70% bis zum Abschluss durchhielten. Goodnight sorgt sich vor allem um den technisch gebildeten Nachwuchs im Westen. Zusammen mit seiner Frau Ann gründete er die Cary Academy. Zudem hat SAS in 15 Jahren rund 100 Mio. $ in Ausbildungs-Software gesteckt, die allen Lehrern und Schülern kostenlos abgegeben wird. Auf die Frage, was ihn zu dieser Philanthropie antreibe, antwortet der intern «Dr. Goodnight» gerufene Schaffer trocken: «Jemand muss es tun.»
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