Alistair Cox bringt als Branchenfremder neue Ideen beim Fachkräftevermittler Hays ein und will so die Firma zu einer globalen Marke machen.
29.12.2008,
Neue Zürcher Zeitung
Ein erfolgreicher Motivationskünstler
Alistair Cox führt den britischen Personalvermittler Hays
cei. Es ist ein energiegeladener Firmenchef, der einen in der deutschen Niederlassung des britischen Personalvermittlers Hays empfängt. Von Niedergeschlagenheit ist bei Alistair Cox keine Spur vorhanden, wo doch gerade der Heimmarkt schlecht läuft, da Londoner Banken Tausende von Mitarbeitern entlassen. Cox lässt sich davon nicht die Laune verderben. Die Firma Hays ist seit 40 Jahren in der Rekrutierung von Spezialisten tätig, sie vermittelt also Firmen Fachkräfte für eine Festanstellung oder auf Zeit.
Der sportbegeisterte 47-Jährige hat schon ein bewegtes Arbeitsleben hinter sich. Nach seinem Ingenieurstudium arbeitete er in den achtziger Jahren zunächst für eine Erdölgesellschaft in Norwegen, wo er auch seine Frau kennenlernte. Dann verbrachte er einige Jahre in den USA, wo er an der Stanford University einen MBA machte. Zurück in England, heuerte er bei McKinsey an. Dann zog es ihn und seine Familie mit mittlerweile zwei Söhnen wieder ins Ausland: Von Kuala Lumpur aus leitete er das Asiengeschäft der Zementfirma Blue Circle. Nachdem diese vom Konkurrenten Lafarge übernommen worden war, wurde er Chef des IT-Dienstleisters Xansa. In seine Ära fällt der Aufbau des indischen Standortes mit 6000 Leuten. Auch Xansa verlor jedoch die Unabhängigkeit, und so übernahm Cox vor gut einem Jahr die Leitung von Hays.
Bei Hays sitzen in der obersten Führungsetage einige Manager, die schon seit über 20 Jahren im Unternehmen arbeiten. Da stellt man sich den Anfang für einen Newcomer und erst noch Branchenfremden nicht einfach vor. Das sei «tricky» gewesen, räumt Cox ein. Er sei aber nicht angetreten, um das Erbgut der Firma zu ändern. Vielmehr versuche er, ihre «DNA» mit seiner Erfahrung aus anderen Branchen zu ergänzen. So habe das IT-System von Hays die Berater an der Arbeit gehindert, statt sie zu entlasten, sagt Cox. Wenn zum Beispiel ein Kandidat seinen Lebenslauf übermittelte, landete dieser per E-Mail bei einem Berater. Dieser druckte die Mail aus und übertrug die Daten ins System. Dadurch ging viel Zeit verloren. Nun wird der Lebenslauf durch eine Software abgesucht und die Information in ein Standardformular übertragen. Zudem arbeite man mit der Suchmaschine Google zusammen, um unter den weltweit 25 Mio. Datensätzen von Kandidaten den richtigen für einen Kunden zu finden. «Wir kennen viele Leute», scherzt Cox, als man nachfragt, ob man die Zahl richtig verstanden habe. Die von Hays vermittelten Arbeitnehmer verdienen 25 000 € bis 90 000 € pro Jahr.
Hays gehört mit der amerikanischen Robert Half und der ebenfalls britischen Michael Page zu den international führenden Vermittlern von Fachkräften. Das Unternehmen hat mit knapp 9000 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2007/08 (per Ende Juni) fast 400 000 Personen in eine feste oder temporäre Stelle gebracht und dabei Gebühren von umgerechnet 1,7 Mrd. Fr. eingenommen. Besonders in Kontinentaleuropa organisierten die Firmen die Anwerbung von Mitarbeitern meist noch selbst, erklärt Cox. So sei der deutsche Markt erst ein Siebtel so gross wie der britische. Hays wächst, indem die Gesellschaft in neue Länder expandiert und immer mehr Spezialitäten erschliesst, zuletzt etwa Berufe im Gesundheits und im Energiewesen. In Kontinentaleuropa kam ihr die Liberalisierung der Arbeitsmärkte zugute. So habe in Frankreich vor der Marktöffnung eine Temporärfirma nur eröffnet werden dürfen, wenn sie einen bestimmten Abstand zu einem Vermittler fester Jobs eingehalten habe, erzählt Cox. Innert fünf Jahren hat sich der Auslandanteil bei den Einnahmen von 10% auf 50% erhöht.
Cox wäre zweifellos ein ausgezeichneter Berater geworden, denn er ist ein brillanter Verkäufer seiner Sache, ohne dass seine Art gekünstelt wirkt. Dieser Enthusiasmus ist ansteckend, und man kann sich gut vorstellen, dass die 120 Manager, die er im Mai für drei Tage zusammentrommelte, um ihnen die Strategie zu erläutern, mit einem Motivationsschub nach Hause fuhren. Gleichzeitig macht Cox aber nicht viel Federlesens, wenn ihm etwas zu langsam geht. So übernahm er im Februar kurzerhand selbst die Verantwortung für den wichtigen britischen Markt, weil ihm dort die Führung zu wenig beweglich schien. Obwohl Cox erst ein Jahr im Amt ist, hat er bereits 20 der 27 Länder besucht, in denen Hays Niederlassungen hat. Cox ist sicher kein Stubenhocker, sondern verbringt seine Zeit lieber mitten im Geschehen.
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