Franz Kook setzt in der Sanitärkeramik und bei Badmöbeln konsequent auf Design.
17.11.2008,
Neue Zürcher Zeitung
Deutscher Starrkopf trifft verrückten Künstler
Franz Kook leitet die Schwarzwälder Familienfirma Duravit
cei. Hornberg, im November Es mache Spass, etwas über die Marke Duravit zu erzählen, sagt der Chef der Herstellerfirma, Franz Kook, nach einem fast zweistündigen Gespräch an deren Sitz in Hornberg. Kook ist seit 38 Jahren für die Firma tätig, seine Begeisterung ist ansteckend und macht neugierig. Das Schwarzwälder Städtchen Hornberg liegt in einem engen Tal, jetzt im Herbst säumen bunte Laubwälder die Talhänge. Das hat Charme, wenn man vom nebelverhangenen Frankfurt her kommt. Die Sanitärkeramik hat an diesem Fleck eine lange Tradition. Ursprünglich wurde in der Nähe Porzellanerde abgebaut. Schon 1842 wird erstmals die Fertigung von Nachtgeschirr erwähnt. Die Fabrik der Gebrüder Horn beschäftigte damals laut Firmenchronik 10 Mädchen, 10 Knaben und 50 Erwachsene. Wer heute das Fabrikgelände von Duravit betritt, dessen Blick fällt als Erstes auf ein monumentales WC, das in die Fassade des neuen Design-Centers eingelassen ist. Das löst Verwunderung aus. Muss man so nach aussen kehren, dass man Toiletten herstellt?
Diese Frage habe er in der Projektphase eigentlich von Anwohnern und Bürgern erwartet, sagt Kook. Doch der Stadtrat sei einstimmig dafür gewesen, und Einsprachen habe es auch keine gegeben. Die Idee stammt vom Pariser Designer Philippe Starck, also jenem Mann, der die spinnenförmige Zitronenpresse von Alessi kreiert hat. Die Firma Duravit solle zeigen, was sie mache, habe Starck argumentiert. Kook fand das überzeugend. Jetzt freut er sich darüber, wenn die WC-Skulptur die Leute zum Schmunzeln bringt. Kook und Starck sind freundschaftlich verbunden, auch wenn das Gespann ziemlich gegensätzlich wirken muss. Es störe ihn nicht, wenn Starck ihn als «starrköpfigen Teutonen» apostrophiere, scherzt Kook. Für ihn sei Starck dafür der verrückte Künstler. Jede der vier Serien, die man mit Starck gemacht habe, sei nahe am Scheitern gewesen, erzählt er. Doch das Ringen um Lösungen hat sich ausbezahlt. Duravit hat mit Toiletten, Lavabos, Bidets, Badewannen oder Badmöbeln von Starck und anderen Designern grossen Erfolg und hat so den etwas vollmundigen Slogan «Die Eroberung des Bades durch Design» umgesetzt. Man habe vor zwanzig Jahren zunächst mehrere Designer angegangen, doch etliche hätten die Nase gerümpft. Mittlerweile arbeite man mit den Besten des Fachs zusammen, sagt Kook nicht ohne Stolz.
Die Firma hätte ohne die Hinwendung zum Design wohl kaum überlebt. Denn die Grössten der Branche produzierten im Jahr 35 Mio. Keramikteile, Duravit komme auf einen Zehntel davon, führt der Firmenchef aus. Der 62-Jährige leitet Duravit seit 1991. Der Exportanteil wird im laufenden Jahr 80% erreichen, vor zwanzig Jahren waren es gerade einmal 5% gewesen. Der Umsatz wurde innert fünf Jahren mehr als verdoppelt - eine Entwicklung, die auch der Besitzerfamilie Greinert zu verdanken ist. Die Eigentümer stehen ganz hinter der Expansionsstrategie und lassen fast den ganzen Gewinn im Unternehmen stehen. Duravit zählt 5300 Beschäftigte, davon die Hälfte in Ägypten. Dieses Land ist mengenmässig mittlerweile sogar der grössere Absatzmarkt als Deutschland. Das sei natürlich auch Zufall gewesen, gibt Kook zu. So habe man einen Niedriglohnstandort gesucht und sei statt in Osteuropa eben in Ägypten fündig geworden.
Produktionsstätten in Ägypten oder der Türkei helfen mit, die Arbeitsplätze in Deutschland oder Frankreich zu sichern. Die Philosophie sei nicht, dass man zunächst ein Produkt entwickle und dieses dann im billigsten Werk fertigen lasse, erklärt Kook. Man gehe eher umgekehrt vor und stelle sich die Frage, welches Produkt man brauche, um eine bestimmte Fabrik auszulasten. Am Stammsitz in Hornberg werden grosse und damit in der Fertigung sehr diffizile Keramikteile hergestellt. Im ostdeutschen Meissen - man kennt den Namen der berühmten Porzellanmanufaktur wegen - hat Duravit nach der Wiedervereinigung sogar noch ein neues Werk eröffnet. Dort wird auch die Serie Starck 3 hergestellt. Zwar produzierte das Werk zunächst mehr als die Hälfte Ausschuss - üblich sind bei Keramik etwa 20%. Doch man gab nicht auf. Nach zwei Jahren hatte man das Druckgussverfahren aber im Griff. Das Durchhalten hatte sich gelohnt: Starck 3 sei 2002 ein «Knüller» gewesen, weil es im mittleren Preissegment noch keine Designerware gegeben habe, sagt Kook, der sonst im Gespräch mit Superlativen eher sparsam umgeht.
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