Franz-Josef Albrecht hat die international tätige Industriegruppe CPH erfolgreich umstrukturiert und modernisiert.
23.06.2008,
Neue Zürcher Zeitung
«Auch die traditionelle Industrie hat Zukunft»
Franz-Josef Albrecht – Verwaltungsratspräsident der CPH
rg. Er ist tief gebräunt. Auf die Frage, ob er soeben aus den Ferien in südlichen Gefilden zurückgekehrt sei, antwortet Franz-Josef Albrecht postwendend: «Nein, nein, das ist mein Teint.» Aber zu reisen und andere Kulturen kennenzulernen, fügt der dreifache Familienvater an, gefalle ihm schon – ganz im Gegensatz zu Badeferien am Meer. Er ziehe Berge dem Wasser vor. Bergtouren unter kundiger Führung – es dürfen auch 4000 m hohe Spitzen sein – sind für Albrecht ein guter Ausgleich zu dem nicht selten hektischen Geschäftsleben. Der 1948 in Sursee geborene Schweizer präsidiert seit 1992 den Verwaltungsrat der in den Bereichen Papier, Chemie und Verpackungen tätigen internationalen Industriegruppe CPH Chemie + Papier Holding AG mit einem Jahresumsatz von knapp 600 Mio. Fr. und einer fast 1000 Personen umfassenden Belegschaft. Daneben sitzt Albrecht im Verwaltungsrat der Eskimo Textil AG und der Toggenburger AG, die in der Baubranche verankert ist.
Alle diese VR-Mandate betreffen traditionsreiche Industriebranchen. Aber schon zu den Zeiten, als er noch auf operativer Ebene tätig war, entschied er sich stets für Firmen, die «etwas Handfestes», also ein physisches Produkt, mit dem man sich identifizieren könne, herstellten. Ein Zufall? Nicht ganz, wie Albrecht im Gespräch betont. Für ihn sei immer klar gewesen, nie bei einem Dienstleister, etwa einer Bank oder einer Versicherung, zu arbeiten. Doch aufgrund seines Werdegangs hätte man eigentlich weder auf Industrie- noch auf Dienstleistungsunternehmen getippt, sondern auf eine akademische Laufbahn. Albrecht promovierte an der Universität St. Gallen in Betriebswirtschaft, war dann dort einige Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Absatz und Handel und wirkte von 1976 bis 1979 als Dozent für Marketing an der Höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschule in Luzern.
Eine Professur habe er jedoch nie angestrebt, sondern Herausforderungen in einem Unternehmen. Verantwortung zu übernehmen, etwas bewegen zu können – das sei es gewesen, was er immer gewollt habe. So begann Albrechts Einstieg in die Unternehmenswelt 1979 bei Nestle, und zwar dank seinem profunden Wissen auf dem Gebiet des Marketings gleich in leitender Position, nämlich als Verkaufs- und Marketingchef in Indonesien, Sri Lanka und auf den Philippinen. 1985 brach er aber nicht nur seine Zelte in Asien wieder ab, sondern wechselte auch die Firma, denn er folgte dem Ruf der alteingesessenen Winterthurer Geilinger AG, bei der die Familie seiner Frau kapitalmässig engagiert war. Zuerst als Divisionsleiter Fenster- und Fassadenbau und später (1992 bis 1995) als Präsident der Geschäftsleitung und Delegierter des Verwaltungsrates gelang es Albrecht jedoch nicht, Geilinger wieder auf Kurs zu bringen, zumal nach seinen Angaben die Banken von einem Tag auf den andern den Kredithahn zugedreht hatten. Die von ihm geleitete Sparte Fenster- und Fassadenbau habe indessen überlebt, fügt er trocken an.
Anlass zur Genugtuung gibt Albrecht hingegen gewiss die Entwicklung der CPH, denn unter seiner strategischen Führung hat die Industriegruppe schon viel erreicht: die Fusion des Papierherstellers Perlen (Zeitungs- und Magazinpapier) mit dem Chemieunternehmen Uetikon im Jahr 1998, die Kotierung der CPH an der Börse im Juni 2001, die tiefgreifende Umstrukturierung und Internationalisierung der zuvor wenig dynamischen Chemiesparte sowie den gezielten Ausbau der CPH im Verpackungsbereich (beschichtete Folien für Verpackungen im Pharma- und Hygienebereich), um nur einige wichtige Ereignisse in der bisherigen Ära Albrecht zu erwähnen.
Das nächste grosse Projekt, das er anstrebt, ist die mit Kosten von rund 500 Mio. Fr. verbundene Grossinvestition in eine neue Papiermaschine in Perlen. «Auch die traditionelle Industrie hat Zukunft in der Schweiz», meint Albrecht auf die Frage, ob die CPH sich mit einer solchen Investition angesichts ziemlich saturierter Papiermärkte in Westeuropa nicht vielleicht übernehme. Zudem sei die CPH mit Blick auf die Produktionskosten absolut wettbewerbsfähig gegenüber ihren wichtigsten ausländischen Konkurrenten, fährt er fort. Man glaubt ihm, denn bis jetzt hat Albrecht mit seiner unternehmerischen Strategie messbaren Erfolg gehabt. Davon zeugen nicht zuletzt die im Branchenvergleich respektablen Ebit-Margen der Industriegruppe in ihren Kerngeschäften sowie die gemessen am Eigenkapital solide Bilanz. So darf erwartet werden, dass die CPH unter Albrecht gut aufgestellt bleibt.
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