Alvin Rabushka kann auf den Erfolg verweisen, dass bereits 24 Länder eine Flat-Rate-Tax eingeführt haben.
26.04.2008,
Neue Zürcher Zeitung
Ein Leben für die FlatTax
Alvin Rabushkas unermüdlicher Einsatz für bessere Steuersysteme
mbe. Seit nunmehr über 25 Jahren sucht Rabushka der Welt eine Idee zu verkaufen, die er erstmals 1981 zusammen mit seinem Kollegen Robert Hall formuliert hat: die Flat Tax. Der Stanford-Politologe spricht über sein intellektuelles Kind auch nach einem Vierteljahrhundert noch mit einem Elan, wie wenn er die Idee nicht bereits in Tausenden von Vorträgen, Veranstaltungen und Interviews angepriesen hätte. Beinahe ungefragt beginnt er die bewegte Geschichte des Konzepts zu skizzieren, seine Vorteile hervorzuheben, Kritik vorauseilend zu begegnen. Nach Rabushkas Ansicht sollen die Steuersysteme radikal vereinfacht werden, indem ein einheitlicher, «flacher» Steuersatz für Privatpersonen und Unternehmen eingeführt wird und praktisch alle Steuerabzüge abgeschafft werden. Die Steuererklärung hätte dann auf einer Postkarte Platz. Laut Rabushka wären die positiven Auswirkungen auf die wirtschaftliche Effizienz und das Wachstum beträchtlich.
Das Konzept sei anfangs weder von Fachkollegen noch der Öffentlichkeit ernst genommen worden, sagt Rabushka, aber mittlerweile kann er auf beträchtliche Erfolge verweisen: Bis 2008 haben nicht weniger als 24 Länder zumindest eine Flat-Rate-Tax eingeführt, die meisten von ihnen in Osteuropa. Wie kommt es, dass die Idee gerade dort eine so gute Aufnahme gefunden hat? Rabushka führt es vor allem darauf zurück, dass der Zusammenbruch des Kommunismus in den ehemaligen Ostblockstaaten einen Systemwechsel ohnehin nötig gemacht habe. Estland habe 1994 den Anfang gemacht, durch den Standortwettbewerb in der Region seien dann die anderen baltischen Staaten und später Länder wie Russland, die Ukraine oder die Slowakei «angesteckt» worden. Die Regierungen dieser Länder hätten gesehen, dass das vereinfachte Steuersystem nicht nur attraktiv für Unternehmen und Privatpersonen sei, sondern auch die Steuereinnahmen steigern könne. Russland etwa habe seit der Einführung der Flat-Rate-Tax im Jahr 2001 das Steueraufkommen verdreifacht – vor allem, weil die Bürger angesichts des einfachen Steuersystems und der massvollen Sätze viel eher bereit seien, ihre Einkommen ehrlich zu deklarieren.
Rabushka räumt ein, dass in den etablierten westeuropäischen Demokratien ein ähnlich positiver Effekt auf die Steuerbasis kaum zu erwarten wäre, würde eine Flat-Rate-Tax eingeführt. Aber der 67-Jährige ist diesbezüglich ohnehin pessimistisch. In Westeuropa sei der Glaube an die «Gerechtigkeit» progressiver Steuern stark verwurzelt, und dem Wechsel zu einer Flat-Rate-Tax stehe auch entgegen, dass die – politisch entscheidende – Mittelklasse bei einem Einheitssatz steuerlich stärker belastet würde. Dennoch sieht Rabushka Hoffnung: in Obwalden, wo im vergangenen Jahr eine Flat-Rate-Tax eingeführt wurde. Für den Stanford-Professor ist der kleine Schweizer Kanton ein «Omaha Beach im Herzen Europas», quasi ein Landeort für die Invasion besserer Steuersysteme auf dem alten Kontinent.
Wären die ursprünglichen Pläne Obwaldens, gar degressive Steuern einzuführen, nicht noch besser gewesen? Rabushka macht kein Hehl daraus, dass er aus Überzeugung eine noch geringere Steuerbelastung der Reichen durch den Staat begrüssen würde. Aber er fügt auch schnell an, der grosse Vorteil einer Flat-Rate-Tax sei ihre Einfachheit. Nur durch sie könne die in vielen Ländern ausufernde Steuerbürokratie beseitigt werden, und in der politischen Diskussion sei dies ein unschlagbares Verkaufsargument.
Der Stanford-Professor hat über die Jahre offenbar gelernt, nicht nur in wissenschaftlichen Dimensionen zu denken, sondern auch die politische Durchsetzbarkeit und das Vermarkten seiner Idee im Auge zu behalten. Freimütig gibt er etwa zu, der Erfolg seines Buches mit Robert Hall sei erst eingetreten, als man der zweiten Auflage den radikal vereinfachten Titel «Flat Tax» gegeben habe. Und Rabushka erwähnt kaum je, dass sein ursprüngliches Konzept der «Flat Tax» eigentlich viel weiter gehend war (vor allem im Bereich der Unternehmensbesteuerung) als jene Systeme der «Flat-Rate-Tax», die dann tatsächlich umgesetzt wurden.
Wie sehr muss man denn seiner Ansicht nach Kompromisse eingehen, um einer Idee zum Erfolg zu verhelfen? Rabushka räumt ein, dass Nachgeben manchmal nötig sei. Dies aber erst, wenn man seine Prinzipien so weit wie möglich verteidigt habe. Insgesamt habe er diesem Grundsatz treu bleiben können. Und er sei mit dem Erreichten zufrieden: «Es ist mehr, als ich mir je erträumen konnte.»
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